Wie bestehende Elektronik gezielt modernisiert und für zukünftige Anforderungen weiterentwickelt werden kann.
Was ist Elektronik-Redesign? Elektronische Systeme zukunftssicher modernisieren
Ein Elektronik-Redesign bedeutet, ein bestehendes Elektroniksystem technisch zu modernisieren und zukunftssicher auszurichten. Die grundlegende Funktion und der bestehende Anwendungsfall bleiben dabei erhalten, während die Elektronik gezielt überarbeitet und mit aktuellen Technologien weiterentwickelt wird.
Dabei geht es nicht nur um den Austausch einzelner abgekündigter Bauteile. Durch ein Elektronik-Redesign kann ein bewährtes System seine bisherigen Aufgaben zuverlässiger oder effizienter erfüllen und gleichzeitig um neue Funktionen und zusätzliche Anwendungsfälle erweitert werden. Je nach Ausgangssituation reicht der Umfang dabei vom gezielten Austausch einzelner Bauteile bis zur umfassenden Neuentwicklung der Elektronik.
Ausgelöst wird ein Elektronik-Redesign häufig durch abgekündigte Bauteile, veraltete Technik oder neue Anforderungen an Funktion und Sicherheit. Ziel ist es jedoch nicht nur, die Lieferfähigkeit wiederherzustellen, sondern ein bestehendes Elektroniksystem gezielt weiterzuentwickeln und für zukünftige Anforderungen aufzustellen.
Welchen Sinn hat ein Elektronik-Redesign?
Der Nutzen geht weit über die reine Schadensbegrenzung bei fehlenden Bauteilen hinaus. Die bestehende Elektronik kann zielgerichtet optimiert, Schwachstellen können behoben und neue Features integriert werden und all das, während die vertraute Basis des Produkts unangetastet bleibt. Der bestehende Anwendungsfall wird gesichert und das Elektroniksystem technisch auf das nächste Level gehoben.
Je nachdem, wie umfangreich die Anpassung ausfällt, kann sie als „Überbrückung“ dienen, um kurzfristig die Lieferfähigkeit zu sichern und einen Produktionsstillstand zu verhindern. Sie kann aber auch deutlich weiter gehen und dazu genutzt werden, das Produkt langfristig wettbewerbsfähig zu halten. Entscheidend ist daher immer, welche Herangehensweise für die jeweilige Situation den größten Mehrwert bringt.

Welche Arten des Elektronik-Redesigns gibt es?
Die Erneuerung elektronischer Systeme kann sehr unterschiedlich ausfallen. Grundsätzlich lassen sich drei Arten unterscheiden:
- 1-zu-1-Ersatz (Drop-in-Replacement): Dies ist kein echtes Redesign, sondern der Tausch eines abgekündigten Bauteils durch ein pinkompatibles Ersatzbauteil. Dieses muss meist lediglich neu getestet und qualifiziert werden.
- Lokal begrenztes Redesign: Hier wird nur ein spezifischer, betroffener Schaltungsteil – etwa die Energieversorgung – erneuert. Es dient oft als Überbrückungslösung, um kurzfristig die Lieferfähigkeit zu sichern.
- Umfangreiches Redesign: Es gleicht einer „versteckten Neuentwicklung“. Basierend auf dem bestehenden Produkt und dessen Anwendungsfall wird die Elektronik grundlegend auf den neuesten Stand der Technik gebracht (z. B. durch eine neue Mikrocontroller-Plattform). Dabei können neben einzelnen Bauteilen auch ganze Baugruppen und deren Funktionen neu durchdacht werden.
Was kann bei einem Elektronik-Redesign alles erneuert werden?
Wie tiefgreifend ein Redesign ist, hängt vom Aufbau des bestehenden Systems und den neuen Anforderungen ab. Es muss nicht automatisch die gesamte Elektronik ersetzt werden. Vielmehr wird analysiert, welche Teile weiterhin sinnvoll eingesetzt werden können und wo sich eine Modernisierung wirklich lohnt. Typische Ansatzpunkte sind:
- Analog zu digital: Vollständig analog umgesetzte Regelungen können auf einem Mikrocontroller digital abgebildet werden. Dadurch lassen sich zusätzliche Betriebszustände erfassen und Funktionen realisieren, die analog nur schwer umzusetzen wären (z. B. ein sanfter Anlauf, der eine Anlage schonender betreibt).
- Neue Mikrocontroller-Plattformen: Auch bereits digitale Systeme sind oft betroffen, wenn der eingesetzte Mikrocontroller veraltet ist oder abgekündigt wird. Dann braucht es eine neue Plattform, auf der die bestehende Anwendung langfristig und sicher weiterlaufen kann.
- Moderne Kommunikationsschnittstellen: Durch neue Standards wie Industrial Ethernet oder geeignete Funktechnologien kann die Elektronik deutlich besser mit anderen Systemen vernetzt werden.
- Zustandsüberwachung: Eine bessere Erfassung und Protokollierung von Betriebszuständen erleichtert die Diagnose und hilft dabei, Fehler frühzeitig zu erkennen.
- Vereinfachte Bedienung: Auch das User Interface eines bestehenden Produkts kann modernisiert werden. Eine digitale Parametrierung ersetzt beispielsweise aufwendige manuelle Einstellungen.
- Edge AI (KI direkt auf dem Gerät): Statt Daten in die Cloud zu senden, findet die Auswertung lokal auf dem Gerät statt. Eine kleine, spezialisierte KI direkt auf der Hardware ist oft wesentlich effizienter als große Cloud-Modelle, da sie Messwerte verzögerungsfrei, sicher und ganz ohne Internetverbindung verarbeitet.
Ein Redesign bedeutet also nicht, blind möglichst viele neue Technologien in ein Produkt zu packen. Es geht darum, bestehende Lösungen zu hinterfragen und gezielt dort anzusetzen, wo ein konkreter Vorteil entsteht.
Beispiel aus der Praxis:
Wie sieht ein Elektronik-Redesign aus?
Wie ein solches Projekt konkret aussehen kann, zeigen zwei anonymisierte Fälle aus der industriellen Praxis:
Photovoltaik-Überwachung: Kostensenkung durch digitale Isolation
Bei einem Messgerät zur Überwachung von Photovoltaikanlagen waren sowohl das Wandler- als auch das Steuerungsmodul abgekündigt. Im Zuge des Redesigns wurden zusätzlich teure analoge Trennbausteine durch eine günstigere digitale Isolationslösung ersetzt. Die dadurch eingesparten Kosten konnten direkt für neue Funktionen des Geräts eingesetzt werden. Aus einer notwendigen Ersatzmaßnahme wurde so gleichzeitig eine spürbare technische Aufwertung.
Industrielle Motorsteuerung: Vom Lieferproblem zum IoT-Upgrade
Bei der Steuerungseinheit für einen industriellen Förderantrieb wurden gleichzeitig der 8-Bit-Mikrocontroller sowie der serielle Kommunikationsbaustein (RS-232) vom Hersteller abgekündigt. Anstatt auf dem freien Markt nach teuren Restbeständen zu suchen, entschied sich das Unternehmen für ein umfangreiches Redesign. Die alte Architektur wurde durch einen modernen, wesentlich günstigeren 32-Bit-Mikrocontroller ersetzt. Der Clou dabei: Der neue Chip brachte die modernen Kommunikationsschnittstellen bereits von Haus aus mit. Die eingesparten Kosten für den alten seriellen Baustein wurden genutzt, um die Steuerung mit Industrial Ethernet auszustatten. Aus dem Zwang, die Lieferfähigkeit der Motorsteuerung zu sichern, entstand so ein „Industrie 4.0“-fähiges Produkt, das sich plötzlich neuen Kundengruppen und Märkten öffnete, ohne dass sich die Herstellkosten pro Stück erhöht hätten.
Welchen wirtschaftlichen Nutzen hat ein Elektronik-Redesign?
Ob sich der Aufwand lohnt, entscheidet sich selten an einer festen Stückzahl-Grenze. Stattdessen spielen mehrere Faktoren zusammen: die Entwicklung des Produktabsatzes, die Marktakzeptanz, die Wettbewerbssituation und nicht zuletzt die Verfügbarkeit sowie die Preise der betroffenen Bauteile.
Ein konkretes Beispiel zeigt, wie geschäftskritisch eine Bauteilabkündigung für bestehende Produkte werden kann: NXP hat für das Jahr 2026 unter anderem den Mikrocontroller LPC1112LVFHI33/103 abgekündigt. Als Gründe nennt der Hersteller veraltete Fertigungstechnologien sowie nicht mehr unterstützte Produktionswerkzeuge und Prozesse.
Für Unternehmen, die diesen Mikrocontroller einsetzen, bedeutet das mehr als nur die Suche nach einem neuen Einkaufsteil. Der Ersatz muss hinsichtlich Hardware, Software, Bauform, Schnittstellen und Funktion streng geprüft und qualifiziert werden. Je nachdem, wie stark sich das Ersatzbauteil vom bisherigen unterscheidet, wird daraus unweigerlich ein lokales oder umfangreiches Elektronik-Redesign.
Der wirtschaftliche Nutzen entsteht deshalb nicht nur durch einen möglicherweise günstigeren Bauteilpreis. Faktoren wie Entwicklungsaufwand, Qualifizierungsprozesse, Produktionsanpassungen und das minimierte Risiko eines drohenden Lieferausfalls spielen eine zentrale Rolle.
Ein Elektronik-Redesign ist damit weit mehr als reine Schadensbegrenzung. Richtig eingesetzt, ist eine Bauteilabkündigung ein guter Ausgangspunkt für eine ganzheitliche Modernisierung. Noch besser ist es jedoch, die Elektronik bereits vor einer Bauteilabkündigung gezielt zu überprüfen und zu modernisieren. So lassen sich bestehende Systeme proaktiv weiterentwickeln, anstatt erst auf ein drohendes Lieferproblem reagieren zu müssen. Der perfekte Zeitpunkt für ein Elektronik-Redesign ist daher nicht erst die Bauteilabkündigung, sondern bereits dann, wenn sich abzeichnet, dass bestehende Elektronik technisch oder hinsichtlich ihrer langfristigen Verfügbarkeit an Grenzen stößt.
Ist Ihre Elektronik bereit für die Zukunft?
Ein durchdachtes Elektronik-Redesign beginnt nicht erst mit der nächsten Abkündigung vom Bauteilhersteller. Besonders Halbleiter und Mikrocontroller sind hier gefährdet, da ihre Lebenszyklen deutlich kürzer sind als die der Systeme, in denen sie verbaut werden. Entscheidend ist deshalb, proaktiv zu prüfen, welche Komponenten und Bauteile kritisch für die zukünftige Verfügbarkeit sind und wie sich ein Upgrade des bestehenden Systems wirtschaftlich lohnt.
Dabei wird die bestehende Hardware und Software ganzheitlich betrachtet. Neben der Verfügbarkeit einzelner Bauteile fließen auch die Anforderungen an Funktion, Schnittstellen, Bedienung, Produktion und zukünftige Produktgenerationen mit ein.
So entsteht eine fundierte Redesign-Strategie, die nicht nur akute Engpässe löst, sondern die Elektronik grundlegend zukunftssicher aufstellt und das Produkt langfristig wettbewerbsfähig hält.
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